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Balinesische Mythologie

Der Ursprung der balinesischen Literatur liegt in der indischen Dichtung. Die alten Geschichten wurden meist von Missionaren nach Bali gebracht und dort von den Menschen entsprechend ihrer Kultur abgeändert. Durch Tänze, Tanzdramen und das Wayang Schattenspiel werden die alten Legenden auch heute noch lebendig gehalten. Die beliebtesten Erzählungen sind die beiden Sanskrit-Epen des Ramayana und des Mahabharata.

Ramayana

Dieses alte indische Epos ist die bedeutendste und populärste Erzählung in Bali. Ihr zentrales Thema ist der immerwährende Kampf zwischen Göttern und Dämonen. Sein legendärer Held Rama, eine Inkarnation des Gottes Wisnu, kommt auf die Erde, um die Menschheit vor dem Bösen zu retten. Rama soll den Idealmenschen darstellen, denn er ist tapfer, edel und tugendhaft. Dieses Epos entstand zwischen dem dritten vorchristlichen und dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert als eine Zusammenfassung von uralten Legenden.

 

 

Rama, der älteste und zugleich der Lieblingssohn des Königs Dasarata, soll wegen seiner göttlichen Abstammung den Thron von Ayodhya, einer Stadt in Nordindien, übernehmen. Doch die Königin ist strikt dagegen, weil sie ihren jüngeren Sohn Barata auf dem Thron sehen möchte. Der König hatte seiner Frau vor vielen Jahren versprochen, daß er ihr zwei Wünsche erfüllen wolle. So muß er Barata zum König krönen, obwohl dieser das gar nicht möchte.

Als zweiten Wunsch fordert die Königin, daß Rama für 15 Jahre vom Hof verbannt werden solle. Rama beugt sich ihrem Wunsch und verläßt mit seiner wunderschönen Frau Sita und seinem loyalen jüngeren Bruder Laksmana den königlichen Hof, um 15 Jahre lang in der Verbannung zu leben.

Sie führen ein friedliches Dasein in den Wäldern von Dandaka, bis eines Tages der schurkische Rawana, der Dämonenkönig von Sri Lanka, beschließt, Rama herauszufordern. Die Schwester Rawanas war von Rama zurückgewiesen worden und hetzte den Bruder auf, sie zu rächen und die Familienehre zu retten. Der Dämonenkönig, der von Sitas Schönheit geblendet ist, verwandelt sich in ein goldenes Reh und lockt die beiden Brüder von der Hütte weg. Daraufhin nimmt der Dämon die Gestalt eines riesigen Vogels an und entführt Sita über das Meer in seinen Palast. Doch seine wiederholten Versuche, die Gefangene mit seinem dämonischen Charme zu verführen, schlagen fehl.

In der Zwischenzeit erreichen Rama und Laksmana auf der Suche nach Sita eine Gegend, die von riesigen, affenähnlichen Wesen bewohnt wird. Sie helfen dem Affenkönig Sukriwa und dem weißen Affen Hanuman, ihr verlorenes Königreich von Sukriwas Bruder Subali zurückzuerobern. Hanoman, der General der Affenarmee, erkennt Rama als Inkarnation Wisnus wieder und stellt ihm dankbar seine Dienste zur Verfügung. Der tapfere, mit übernatürlichen Kräften ausgestattete weiße Affe fliegt zu Rawanas Schloß und entdeckt dort die gefangene Sita. Er wird gefangengenommen, kann aber entfliehen und kehrt zu den Brüdern zurück. Zusammen mit den Affen und mit Unterstützung des Meeresgottes Warun bauen Rama und Laksmana eine Landbrücke bis hinüber zur Insel Sri Lanka. Die benötigte Erde holt der fliegende Affengeneral vom heiligen Berg Meru. Dann kann der Kampf gegen Rawana beginnen.

Natürlich triumphiert das Gute gegen das Böse, und der Dämonenkönig wird nach sechs Tagen und sechs Nächten des Kampfes von Ramas Pfeil getötet. Sita wird zwar unverletzt befreit, doch ihre Jungfräulichkeit wird angezweifelt. Daraufhin besteht sie auf einem Feuertest, den sie unbeschadet übersteht. Endlich ist Rama von der Treue seiner Frau während ihrer Gefangenschaft im Dämonenpalast überzeugt. Alle kehren nach Hause zurück. Die Königin ist in der Zwischenzeit verstorben, und so werden Rama und Sita feierlich zum König und zur Königin gekrönt.

 

 

Mahabharata

Mahabharata bedeutet "großer Herr", obwohl für diese Geschichte der Name "großer Krieg" passender wäre. Zusammen mit dem Ramayana dominiert das Mahabharata die balinesische Mythologie. Es ist ein altes, indisches Hindu-Epos, das auf historische Ereignisse zurückzuführen ist. Man kann es in etwa vergleichen mit Homers modifizierter Version des Trojanischen Krieges.

Das Mahabharata gilt als die längste zusammenhängende Dichtung der Welt. Die Kerngeschichte entstand etwa im vierten Jahrhundert vor Christus, die anderen Episoden kamen dann nach und nach dazu.

Die Geschichte handelt vom Kampf zweier halbgöttlicher Königsfamilien um die Herrschaft über ein reiches Rajatums in Nordindien (das heutige Gebiet um Delhi). Die Pandawas (die fünf Söhne des Pandu) sind die guten und tapferen Helden, während ihre Kusins, die Kaurawas (die 49 Söhne des blinden Dhritarasta), als feige Bösewichte gelten, obwohl nur Duryodhana, der älteste Sohn und ihr Führer, tatsächlich bösartig ist.

Seine grausamen Taten verursachen viele schwerwiegende Konflikte, die sehr oft in einen Krieg ausarten. Beide Familien gehören der Ksatria-Kaste, der Kaste der Krieger an.

Der Raja Bhishma hatte zwei Söhne. Der älteste mit Namen Dhritarasta, war blind, deshalb bestieg der jüngere Pandu den Thron. Als seine fünf Söhne, die als "Panca Pandawa" bekannt sind, erwachsen wurden, zog sich Pandu in die Wälder zurück. So begann der Streit um seinen Thron zwischen den Söhnen des Pandu und den Söhnen des Dhritarasta.

Anfangs siegten die Pandawas, doch der älteste Bruder Dharmawangsa zettelte aus törichtem Übermut ein Würfelspiel gegen Duryodhana, der mit psychokinetischen Kräften die Würfel beherrschte, an und verlor. Sein trickreiches Falschspiel sicherte Duryodhana widerrechtlich den Thron, und er schickte die Pandawas für zwölf abenteuerreiche Jahre ins Exil. Obwohl Duryodhana mehrmals versuchte, sie zu töten, kehrten die Brüder zur festgesetzten Zeit wieder zurück. Doch der König weigerte sich, ihnen den Thron zurückzugeben.

So war der Krieg unvermeidbar. Krishna, die beliebteste Figur des Hinduismus und eine Inkarnation des Gottes Wisnu, kämpfte als Freund und Verbündeter für die Pandawas, und mit ihm zur Seite konnten sie nicht verlieren. Doch die siegreichen Pandawas verzichteten großmütig auf den Thron und führten von da ein ein asketisches Leben.

 

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