Im
Gegensatz zum fünfstufigen Kastenwesen der indischen Hindus gibt es in Bali nur
vier Kasten. Man unterscheidet hierbei zwischen den drei hohen Kasten, Triwangsa
genannt, und der unteren Kaste der Sudra, die auch Jaba genannt wird. Nach einer
Überlieferung sollen die drei hohen Kasten ihren Ursprung im Gott Brahma haben.
Die Brahmanen entsprangen seinem Mund, die Satrias seinen Armen und die Wesias seinen Füßen. Nur etwa
3 % der balinesischen Hindus sind Angehörige der
Triwangsa, die deutliche Mehrheit von ca. 97 % gehört der niedrigen Sudra-Kaste
an.
Früher
wurden die Menschen entprechend ihres Berufes, ihrer Ausbildung und ihrer
sozialen Stellung in die drei oberen Kasten eingeteilt. Der Brahmana-Kaste gehörten
Priester, Wissenschaftler und Gelehrte an. Ihre Namen beginnen stets mit
"Ida Bagus" bei Männern und "Ida Ayu" bei Frauen. Zur
zweiten Kaste, die Ksatria-Kaste genannt wird, zählten Könige, Fürsten,
Prinzen und sonstige Aristikraten. Angehörige der Ksatria-Kaste erkennt man an
Namenstiteln wie Dewa, Anak Agung und Cocorda. In der dritthöchsten Kaste der
Wesia findet man vor allem verdiente hochrangige Krieger und reiche Kaufleute.
Sie tragen meist Namen wie Gusti, Ngurah, Pasek oder
Pande.
Eine
Besonderheit bei der Namensgebung in Bali ist die Verwendung von Nummern als
Namenszusatz. Dieser differiert zwar von Kaste zu Kaste, allen gemeinsam ist
aber, daß nur bis vier gezählt und dann wieder von vorne begonnen wird, das
heißt, das fünfte Kind trägt den gleichen Namenszusatz wie das erste. So
werden Erstgeborene Wayan oder Putu genannt, Zweitgeborene Made, Kadek oder
Nengah, Drittgeborene Nyoman oder Komang und das Viertgeborene
Ketut. Da Männer
und Frauen die gleichen Namenszusätze bekommen, wird vor dem geschriebenen
Namen bei Frauen "Ni" und bei Männern "I" vorangesetzt.
Angehörige
der Sudra-Kaste tragen keinen Titel. Ihr Namenszusatz bezieht sich rein auf die
Reihenfolge bei ihrer Geburt. Neben
dem Namen, der sich nach ihrer Geburtsreihenfolge richtet, haben die Balinesen
meist noch einen zweiten Namen, der sich aber im Laufe ihres Lebens mehrmals ändern
kann. Ange- sprochen werden sie aber oft nur mit einem Spitznamen oder mit dem
Namen ihrer "Nummerierung".