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Bericht von Ramona und Andreas aus Rügen

Bali unsere Trauminsel

Reiseerlebnisse Teil 1 (1999)

 

Unsere erste Balireise:

Wir wollten unsere Hochzeitsreise im September 1999 eigentlich nach Portugal machen. Aber aufgrund unserer "Sonderwünsche" wie: in Faro landen und von Porto zurückfliegen, dann drei Wochen, unterschiedliche Hotels usw. wurde uns im Reisebüro ein Angebot unterbreitet, daß wir erschrocken ablehnten. Mein Mann meinte, dafür können wir ja nach Bali fliegen! Bali? Laß uns Kataloge holen!

So sind wir im September nach Bali geflogen mit Unterkunft in Legian im Maharta Beach Hotel. Es ist eine kleine gemütliche Anlage mit sehr gepflegtem Garten, Pool und nettem Personal direkt am Strand gelegen, damals zumindest. Heute liegt eine schmale Promenade dazwischen.

Da wir abends ankamen, machten wir noch einen Bummel durch den Ort und liefen dann am nächsten Tag nach Kuta und später am Strand wieder zurück Richtung Hotel, da wir nicht mehr wußten, wo's liegt...Nicht gerade schlau mit vollen Tüten! So wurden wir dann auch dauernd angesprochen und nicht in Ruhe gelassen.

Endlich am Hotel angekommen brachten wir alles ins Zimmer und gingen dann zum Strand. Naje, was soll ich sagen? Erst wurden uns Landschaftsgemälde angeboten. Sehr schön, aber wir wollten nicht unser Geld gleich am ersten Tag auf den Kopf hauen, versuchten wir dem jungen Mann beizubringen. Während mein Mann noch mit ihm rumixte, gesellte sich eine ältere Frau mit Schmuck zu mir. Ich sehe das heute alles ein wenig anders, aber damals war ich reichlich genervt, wollte doch nur meine Ruhe haben. Aber die Händler kommen und wollen Dir etwas verkaufen, lassen nicht locker und setzen sich dann auch noch zu Dir und leisten Dir Gesellschaft! Und der Schmuck entsprach überhaupt nicht meinem Geschmack.

Selbst wenn ich das alles nicht so toll fand, wollte ich auf keinen Fall unhöflich sein, auch wenn es unmöglich war, dieser Frau klarzumachen, daß ich absolut nichts davon kaufen möchte. Da sie meine Antworten ignorierte und mir andauernd neue Sachen hinhielt, blieb mir nichts anderes übrig, als sie ebenfalls zu ignorieren und das schöne Meer zu betrachten. Das wirkte dann auch irgendwann, und sie ging. Währenddessen hatte sich ein anderer junger Mann zu meinem Mann gesetzt, aber erst nachdem er Interesse an seinem Katalog für temporary tattoos bekundet hatte. Das sind mit Henna aufgemalte Tattoos, die ca. 1-2 Wochen halten...je nachdem, wie oft man sich wäscht

 

Er stellte sich uns mit Ricky vor und war uns sofort sympatisch. Mein Mann konnte sich in Ruhe den Katalog ansehen, ohne daß Ricky irgendwie auf ihn einredete und billige Preise anbot oder ähnliches. Er saß nur da und wartete. Ein kleines Wunder an diesem Tag! Nachdem mein Mann ihm erklärte, daß er sich demnächst gerne mal ein Tattoo machen lassen möchte, aber nicht mehr heute, meinte Ricky, das sei okay, er macht mir eines umsonst und dann können wir sehen, ob es uns gefällt und uns vielleicht in den nächsten Tagen bei ihm melden. Eigentlich wollte ich gar keins, aber wenn so ein netter junger Balinese mit langem schwarzen Haar...Es wurde ein sehr schöner Schmetterling! Wir waren so begeistert von seiner Art, daß wir ihm spontan doch etwas für seine Arbeit gaben. Er bedankte sich überrascht, steckte es ohne draufzusehen weg und mußte dann auch schnell los nach Hause...

Das war unsere erste Begegnung mit unserem Freund Made, dessen Strandname Ricky ist. Wir sahen uns fast jeden Tag, außer an den langen Ausflugstagen, ließen uns bemalen und erzählten. Made erzählte uns, er komme aus Kedisan. Das ist ein Dorf am damals gerade tätigen Vulkan Batur, unterhalb von Kintamani, wo wir schon einen Ausflug mit Reisegruppe hingemacht hatten...Viele Kinder sind dort, die einem etwas verkaufen möchten. Wir waren die einzigen "Opfer" weit und breit, als unsere Reisegruppe essen war und wir lieber draußen blieben, um den Vulkan mit seinen Eruptionen zu betrachten.

Es ist schon schwierig bei den süßen Kindern nein zu einem Kauf zu sagen. Aber es sind ja nicht zwei oder drei....und bei allen kann man nichts kaufen. Als es dann zu bunt wurde, holten wir unser Fernglas raus und betrachteten den Batur etwas näher. Das fanden dann auch die Kinder interessant, und ruckzuck war der Verkauf vergessen, und das Fernglas wanderte von einem zum anderen mit strahlendem Lächeln. Das hat Spaß gemacht, und die Süßen winkten uns dann noch zum Abschied...

Kedisan...Ja, in Kedisan, Mades Heimatort ist übermorgen Zeremonie, und er muß dahin fahren. Tempelfest? Kann man da zusehen? Wir hatten uns ein Moped geholt, und fuhren damit durch die Gegend. Made hatte auch eins und meinte, es sei kein Problem. Er kann mit uns zusammen fahren, und in Kedisan ist ein Hotel, in dem wir schlafen können, und wir könnten auch den Batur besteigen. Ist das toll!!! Ich war so aufgeregt, daß er uns dies anbietet.

Dann saßen wir noch etwas am Strand und plauderten. Wir wußten von ihm, wo er herkam, wo er wohnt, seinen Namen und sein Alter: 22. Er brachte uns dauernd zum Staunen, weil er wenig von sich preisgab und man ihn dadurch schwer einschätzen konnte. Und ab und zu erfuhren wir dann mal etwas Neues von unserem balinesischen Freund. Er fragte mich, ob wir verheiratet seien und erzählte mir dann, daß er auch eine Frau habe. Ich habe bestimmt geguckt wie 'n Auto...haben wir uns doch schon so oft unterhalten. Er grinste bloß und setzte noch einen drauf. Er hat auch eine kleine zweijährige Tochter!

 

Man kann direkt auf den Ort und den Batur sehen.

 

 

An dem bewussten Tag holte er uns dann morgens pünktlich ab, und wir fuhren mit ihm nach Denpasar, um seine Frau und seine Tochter abzuholen, die auch mitkommen würden. Das hatte er wieder einmal für sich behalten.

Wir warteten mit unserer Suzuki und den topschicken Bauarbeiter-Motorradhelmen an der Ecke, als er zurückkam mit den beiden hintendrauf. Man, hat er eine hübsche Frau und diese süße Tochter! Nengah und Ni Luh, obwohl er seine Tochter immer Putu nannte.

Das war das schönste: In Bali sein, diese tolle Landschaft sehen und mitten unter Balinesen sein, zusammen mit Made und seiner Familie nach Kedisan fahren!

Der Weg war sehr weit, und die Kleine tat mir etwas leid so zwischen den Eltern eingeklemmt zu sein. Aber es schien sie nicht zu stören, denn nach einer Weile hatte ihr Kopf mit der süßen roten Zipfelmütze starke Schräglage und signalisierte "Schlaf". Unterwegs waren viele Mandarinenplantagen, und die drei hielten an, kauften zwei Beutel, einen für sich und einen für uns...

 

 

 

Kedisan lag sehr schön direkt am See. Das Hotel war auch schön, und vom Zimmer hatte man einen Blick auf den See und den Batur. Umwerfend! Made brachte seine Frau und seine Tochter zu den Eltern und kam mit seinem Cousin zurück. Zusammen fuhren wir dann zu der "Badewanne von Kedisan". Eine kleine heiße Quelle.

Wir setzten uns zu der dort bereits mit zwei Kindern badenden Mutter und genossen das warme Bad. Machten uns aber schnell davon, als eine Gruppe von Einwohnern mit Shampoo und Duschbad kam....Für den nächtlichen Morgen hatten wir mit einem Verwandten von Made die Vulkantour abgemacht. Und am nächsten Nachmittag soll dann das Tempelfest sein.

 

 

Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube um vier wurden wir abgeholt und schlenderten dann mit unserem Guide, ein echt witziger Kumpel, und Taschenlampe gen Berg. Nun muß man nicht denken, daß wir die Einzigen waren dort. Nee, überall blinkten kleine Taschenlampenlichter.

Dann die Eruptionen dazwischen mit Glühender Lava. Es war gigantisch! Und superdunkel. Wir gingen mehr oder weniger in einem großen Trupp, dessen Reihenfolge sich stets änderte, je nach Kondition. Zwischendurch kamen dann mal von unserem Guide mehrere Bemerkungen wie "Im Dunkeln ist gut munkeln" und zeigte anhand des Gelächters wo überall die Leute versteckt waren, und unsere Dreier-Gruppe ist so andauernd aufgefallen...

Oben angekommen war es leider sehr wolkig, aber zum beginnenden Sonnenaufgang lichtete sich der Vorhang und wir sahen einen herrlichen Sonnenaufgang mit dem Vulkan Agung im Hintergrund. Anschließend ging der Vorhang wieder zu.
Man kann dieses Erlebnis kaum beschreiben, aber ich kann es jedem nur empfehlen. Es war wunderschön!

 


Bei dieser Explosion wurde ein Stein mit hoch geschleudert, der eine doch schon sehr respektable Größe hatte...

 

 

 

Wenn man den Berg betrachtet, fällt auf, daß von fast links bis fast rechts außen ein großes Stück fehlt. Mir wurde mal erzählt, dies sei 1963 rausgebrochen bei einer großen unvorhersehbaren Explosion, bei der einige Menschen ihr Leben lassen mußten.

1963 brach dann zusätzlich auch der Agung aus. Welcher den Anfang machte, weiß ich nicht, aber ist wohl auch uninteressant, denn sehr schlimm muß beides gewesen sein...

 

Das Tempelfest sollte am Nachmittag gegen 14:00 sein. Gemäß deutscher Pünktlichkeit waren wir auch um diese Zeit dort. Aber wie sich herausstellte, kamen nach und nach ein paar Familien und dann immer mehr so über 3 Stunden verteilt.

 

 

 

 

Dies sind alles Opferkörbe. Erstaunlicherweise fand jeder seinen eigenen wieder heraus...


 

Das heißt, als wir ankamen, war es dort sehr leer. Wir setzten uns an den Rand und beobachteten von dort das Treiben, auf der Suche nach Made. Ein paar Männer setzten sich neben uns, lächelten uns an und boten uns Zigaretten an. Wir kamen uns zwar vor wie Touristen - keine Frage - aber wie willkommene Touristen. Alle lächelten uns an, Kinder machten Faxen. Wir dachten in dem Moment darüber nach, wie es wohl umgekehrt wäre...

 

 

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