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Bericht von Ramona und Andreas aus Rügen

Bali unsere Trauminsel

Reiseerlebnisse Teil 2 (2002)

 

Unsere zweite Balireise im April 2002

Nach einem unendlich langen Flug kam Bali in Sicht, oder vielmehr die Lichter von Bali, denn es war schon recht spät, gegen 19:00. Damals gab es keine Wartezeiten durch Visa, aber wir waren anscheinend nicht das einzige gerade angekommene Flugzeug. Der Beamte, der die Pässe kontrollierte, war ein wenig genervt oder vielleicht auch nur gelangweilt und guckte auch dementsprechend. Ich war aber einfach total happy, wieder auf Bali zu sein. Also lächelte ich ihn an, wünschte ihm einen "Selamat Malam" und bedankte mich mit "Terima Kasih" und... er strahlte mich an. Ja, wir sind wieder auf Bali! Hier ist es so einfach, die Menschen zum Lächeln zu bringen. Wir fragten uns, ob wir unsere Freunde wohl morgen gleich am Strand treffen würden... Ist das alles aufregend!!!

Eine halbe Stunde später ca. waren wir im Hotel, und an der Rezeption wurde uns gesagt, daß zwei Männer hier gewesen seien, die aber um 20:00 wiederkommen wollten. Made??? Haben uns schnell ein wenig frisch gemacht nach dem langen Flug, und dann klingelte auch schon das Telefon: "Two men in the lounge!" Ich war so aufgeregt und ging schön HINTER meinem Mann. Ob er sich doll verändert hat und wir ihn sofort wiedererkennen? Es war schon kein Lächeln mehr, vielmehr ein Grinsen... ja, eindeutig Made! 

Er war mit einem Freund dort und kam sofort auf uns zu, und wir umarmten uns lachend. Nachdem wir eine Weile erzählt und erfahren hatten, daß das Baby vor 2 Wochen geboren wurde, fragte er uns, ob wir müde seien. Eigentlich war ich hundemüde gewesen, aber nun... Wenn Made so fragt, hat er etwas vor, und hätte ich gesagt, ich sei ein bisschen müde, hätte ich es bestimmt nicht erfahren, weil er für sich behalten hätte. So genau kannten wir unseren Freund schon. Er schlug vor, ein zweites Moped von einem Kumpel zu besorgen und mit uns zu seiner Familie nach Denpasar zu fahren.

Juchhu! Das hätte ich mir nicht träumen lassen....und los ging es. Mein Mann fuhr bei dem sehr netten Freund mit und ich bei Made. Es war so herrlich, wieder durch die bekannten Straßen zu fahren, diese angenehme Wärme und dieser typische balinesische Geruch... Wie die Mädels wohl aus sehen... und das kleine Baby? Nengah hatte wohl nicht mehr mit uns gerechnet und lachte, als wir mit einem Mal vor ihr standen und sie umarmten. Made fuhr noch einmal los und besorgte etwas zu essen für uns. Lecker Sate und Reis! Welch ein Festessen!


 

Dies ist der kleine Komang. Damals hatte er noch keinen Namen, da er diesen erst nach einer Zeremonie bekommt... ich glaube nach 2 Monaten ? Nach der langen Zeit, bin ich mir da nicht mehr so sicher...

 

Die beiden Mädchen lagen im Wohnzimmer auf dem Teppich und schliefen schon, als wir ankamen und waren dementsprechend gelaunt, als der böse Papa sie grinsend weckte... Putu wird immer hübscher und wird wohl mal so manches Männerherz brechen... Eigentlich heißt sie Ni Luh, aber es ist schwierig, dies aus unserem Kopf zu bekommen, da Made sie uns damals so vorgestellt hat. Sie sieht ihrem Vater sehr ähnlich und die kleine Made ihrer hübschen Mutter. Das dem Namen vorangestellte "Ni" bedeutet weiblich und "I" männlich. Es gibt dazu eine schöne Erläuterung auf www.warungnet.de

Ich muß das mit dem Namen hier erwähnen, weil sonst wahrscheinlich Missverständnisse aufkommen würden. Denn wir nennen sie nicht mehr "Putu", nachdem sie uns unmissverständlich erklärt hat, daß sie "Ni Luh Suwenten" heißt. War sehr lustig, und der "schuldige" Papa grinste nur...

Wir hatten ein paar Geschenke für alle mitgebracht und irgendwann wurden sie dann auch interessant für die Mädchen. Sie waren recht schnell wieder munter, und es wurde sehr lustig. Ni Luh nahm ganz stolz ihren kleinen Bruder auf den Schoß. Man, war der süß und so friedlich! Es war ein wenig schwierig, eine richtige Unterhaltung zustande kommen zu lassen: Es war spät, alle schon ziemlich müde, dann die ungewohnte Sprachbarriere und nicht zu vergessen die vergangenen 2 1/2 Jahre. Aber wir waren alle glücklich...

Made und sein Freund brachten uns dann zum Hotel zurück, und wir verabredeten uns für den nächsten Tag am Strand, so gegen 10:00. Nengah und die Mädchen werden wir erst in den nächsten Tagen sehen können, da sie mit dem Baby zu Hause bleiben.

 

Wir hatten viel Schlaf nachzuholen... Daher kamen wir erst spät zum Frühstück, und um 10:00 am Strand konnte auf keinen Fall etwas werden. Aber meist ist Made auch nicht so früh dort... Hm... heute schon. Er kam grinsend die Treppe zum Restaurant hoch und setzte sich zu uns. Er war am Strand, und als von uns nichts zu sehen war, ging er zum Hotel. Das wäre damals nicht denkbar gewesen...

Wir machten ein wenig Urlaubsplanung. Auf keinen Fall wollten wir so viel umherfahren wie beim ersten Mal, aber ein paar Sachen hatten wir uns schon überlegt. Erst einmal wollten wir ein Moped mieten. Made erzählte uns, daß er den Führerschein in der Zwischenzeit gemacht hatte, auch ein Auto besaß, welches er allerdings verkaufen mußte, um die Geburt des Sohnes bezahlen zu können. Er bot uns an, mit uns alle Touren zu machen. Wir meinten, seine Zeit nicht so in Anspruch nehmen zu können, weil er doch nun zusätzlich zum Job als Tattoo-Maler auch Fahrten über die Insel anbietet. Es war ihm aber wichtig, und wir konnten die Termine ja legen, wie es ihm möglich war. Er schlug vor, für die beiden langen Touren ein Auto zu mieten, und er fährt uns... Na, besser geht es wohl nicht. Nach dem Frühstück mußten wir erst einmal Geld umtauschen, und dann zur Auto- und Mopedvermietung. Wir wollten uns dann später mit Made am Strand treffen, aber er wollte uns begleiten... zu Fuß! Das ist ein Ding...

Aber richtig gestaunt habe ich dann, als ich unsere Reiseschecks umtauschte, Made mit hineinkam und dann auch noch das herausgegebene Geld auf Richtigkeit nachprüfte... Boah eh! Hinzu kam, daß er den Preis für das Auto und das Moped mit meinem Mann und dem Vermieter gemeinsam aushandelte.

Ich konnte es kaum glauben. Das sind alles Dinge, die beim ersten Mal nicht denkbar gewesen waren. Und ich bin mir sicher, daß dies auch nicht unbedingt selbstverständlich ist für ihn. Es war wie ein kleines Wunder....wohl einzig und allein bewirkt durch den Briefkontakt, der uns alle näher gebracht hat!

 

Ein Grund für unsere Begeisterung für Bali ist auch der Umgang mit den Kindern. Man könnte sagen, sie haben Narrenfreiheit. Es gehört schon viel dazu, wenn Nengah mal laut wird. Allerdings muß sie dann meist hinterher trotzdem lachend den Kopf schütteln über den Unsinn der kleinen Rasselbande. Noch länger dauert es, bis Made etwas sagt... Dann ist aber auch sofort Ruhe... für ne Weile Schlafenszeit ist, wenn sie sich eben hinlegen und schlafen... Eigentlich bekommen sie immer ihren Willen. Das ist mit den anderen Familien, die wir am Strand so gesehen haben, nicht anders. Die Kinder turnen an ihnen rum, während die Eltern lachend weitererzählen. Aber im Gegensatz zu solchen Erziehungen in unserem Land, bleibt der Respekt dabei nicht auf der Strecke. Und das ist das Schöne daran. Die Kinder haben zwar fast Narrenfreiheit, sind aber trotzdem nicht frech oder vielleicht sogar unverschämt anderen gegenüber. Man sieht ja auch an den Eltern, daß es funktioniert... Gewisse Respektlosigkeiten Älteren gegenüber, wie sie hier leider viel zu oft geschehen, sind dort nicht denkbar.

 

Als wir dann anschließend zum Strand gingen, legten wir uns unter den Baum an den Getränkestand, an dem wir damals schon Tehbotol und natürlich Bintang gekauft Haben. Der Mann erkannte uns wieder, und auch die Frauen kamen zu uns und sprachen uns auf die Briefe für Made an. Es sah so aus, als hätte Made sie immer auf dem laufenden gehalten... Ni Luh war auch mit ihrem Papa mitgekommen, und wir spielten mit ihr und dem Sohn einer anderen Frau Ball, bauten Sandburgen... war sehr lustig...

Für den nächsten Tag verabredeten wir uns wieder am Strand, und Made brachte uns etwas zu essen mit, frisch gekocht von Nengah und etwas gesundes zu trinken mit komischem Glibber drin. Mein Mann sagte ihm, er ist wie eine Mutter zu uns. Made grinste. Wir besprachen unsere Urlaubsplanung und machten den Termin für zwei Touren ab. Einmal nach Lovina, Delfine sehen, den Wasserfall und den Gewürzmarkt in Bedugul mit Küstenstraße nach Ahmed. Ich hatte davon im Reiseführer gelesen, daß man von dort viele wunderschöne Aussichten hat. Außerdem ist es ja gut, wenn Made neue Sachen abfährt, die er anderen Urlaubern wieder empfehlen und zeigen kann.

Am nächsten Tag war Zeremonie auf ganz Bali. Wenn ich richtig verstanden habe, war Vollmond. Made hatte dort keine Aufgabe und kam anschließend mit seinen beiden Töchtern zum Strand, alle schick in Sarong. Er brachte uns etwas Obst von den Opfergaben mit, und dann fuhren wir mit ihm nach Denpasar, damit er die Töchter nach Hause bringen und sich umziehen kann, weil wir anschließend noch auf den Markt wollen.

Wir freuen uns Nengah wiederzusehen und bekommen sofort wieder etwas Obst und Getränke angeboten. Der junge Mann, der Made am ersten Abend begleitet hat, ist ein Cousin von Nengah und wohnt mit seiner Frau und dem kleinen Sohn mit im Haus. Beide sind so lieb und nett, einfach sympathisch.... und so hübsch

 

 

Die beiden Frauen links sind Schwestern, die Kinder sind Dede und Ni Luh, die auf jedes Foto mit raufmöchte.

Nachdem Papa Made seinen drängelnden Mädchen schnell vom nächsten Laden ein Eis geholt hat, können wir losfahren. Die Straßen sind so voll... und eng... und voll... Als wir endlich da sind, haben kaum Läden auf, wahrscheinlich wegen dem Feiertag. Wir fanden einen Laden mit sehr schönen Gemälden und Bambuswindspielen. Mein Mann handelte mit der netten älteren Dame... Es wurde geschmollt, gelächelt, mit den Augen geklappert... ein richtiges Schauspiel. Made gab unauffällig Tipps und Hinweise, damit wir nicht zu viel bezahlen. Es wurde ein guter Preis ausgehandelt, und unser Geld war nun alle, weil wir nicht viel umgetauscht hatten. Aber dafür hatten wir schöne Geschenke für zu Hause... und für uns.

Made schlug uns vor, das Balimuseum anzusehen. Dafür haben wir aber nun kein Geld mehr. No problem! Kurzerhand gibt er uns 100000 Rupiah. Leider wird uns dort von einem netten jungen Mann erklärt, daß das Museum aufgrund der heutigen Feierlichkeiten geschlossen sei, wir uns aber draußen umsehen können. das Museum ist der ehemalige Fürstenpalast. Der Guide erklärt sehr gut und interessant und spricht gutes Englisch. Er erzählt uns, daß manchmal Leute von Java mit Schiffen nach Bali kommen und hier demonstrieren wollen, aber den Balinesen liegt das nicht. Also gibt es eine Kommission, die sich darum kümmert, daß eine Menschenkette gebildet wird, um zu verhindern, daß diese Leute an Land kommen und hier Unruhe stiften. Dann müssen sie unverrichteter Dinge wieder abziehen. Die Balinesen sind ein friedliches Volk, Unruhen sind hier für uns kaum vorstellbar...

Unser Rundgang ist beendet, aber er scheint kein Geld zu wollen. Wir geben ihm aber angemessenes Trinkgeld für einen guten Guide, denn wir fanden es sehr interessant, und er hat sich so viel Mühe gegeben. Erstaunt fragt er uns, ob wir uns den Tempel ansehen möchten. Ist das denn erlaubt? "Yaaaaa". Vielleicht so eine Art Bonus? Der Boden liegt voll mit kleinen Bambusschälchen mit Blüten und Reis. Unser Guide erklärt uns, wie die Instrumente des Gamelan funktionieren, und wir können es selbst ausprobieren. Sieht viel einfacher aus, als es ist. Er konnte es sehr gut, und ich hätte stundenlang zuhören können. Es war eine tolle Idee von Made, hierher zu fahren...

 

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag nach Lovina im Bali-Norden fahren, aber kurz nachdem wir alles mit Made abgesprochen und er sich verabschiedet hatte, kam er zurück. Er hatte in den letzten Tagen ein paar Touren mit einem deutschen Ehepaar, die ihn eben gerade anriefen und ihren Ausflug ausgerechnet auf morgen verschoben hatten. Wir haben noch so viel Zeit und können auch an einem anderen Tag. Made war das sehr unangenehm. Er meinte zu uns, es sei ein sehr nettes Ehepaar, aber es sind nur Touristen. Wir dagegen seien für ihn wie Bruder und Schwester, und er möchte nicht, daß wir schlecht von ihm denken. Er möchte, daß wir glücklich sind und uns wohl fühlen. Nun ja, wir sind auch glücklich, wenn er die Möglichkeit hat Geld zu verdienen... und verschoben unsere Fahrt auf den darauf folgenden Tag.

Am nächsten Morgen konnten wir nun also doch ausschlafen, und als wir beim Frühstück saßen, klingelte das Hoteltelefon... Made war dran und wollte wissen, was wir machen... Dann kam er lang und aß mit uns zusammen Frühstück. Die Frau des Ehepaares ist krank geworden, und so mußte die Tour leider ausfallen. Schade für alle Beteiligten! Wir legten einen schönen ruhigen Strandtag ein und erzählten mit Made über alles mögliche. Mein Mann spielte schon lange mit dem Gedanken, mal den Agung zu besteigen. Er hatte im Reiseführer gelesen, daß dies möglich sei und wollte nun von Made wissen, ob es den Balinesen gegenüber respektlos sei, da es ja der Sitz der Götter ist. Es ist möglich, und ein Onkel von Nengah, der in Kintamani wohnt, könnte ihn führen. Made nimmt sein Handy und regelt alles, machte den Termin mit ihm, klärte ab, was man alles braucht. Den Preis machen die beiden dann später persönlich ab. Ich traue mir diesen Aufstieg nicht zu. Daher bringt Made nachts meinen Mann zum Tempel Pasar Agung, wo der Aufstieg beginnt und macht später ne kleine Tour mit mir.


Am nächsten Morgen holte uns Made pünktlich um 3:30 vom Zimmer ab für unsere Tour nach Lovina. Es war zwar wirklich sehr früh, aber dafür waren die Straßen leer. Leider hatte ich von diesem Ausflug nicht viel, da mir mein Shrimpscocktail mit Salat vom Vorabend nicht bekommen ist. Wir essen auf Bali wirklich überall: in den Warungs, bei Made zu Hause, holen uns etwas von den fahrenden Garküchen (wenn es gut aussieht) und in Restaurants. Es ist alles kein Problem, muß nur geschält oder gekocht sein. Das Problem diesmal war wohl der Salat...

Ich fing unterwegs an zu frieren, mir war schlecht usw. Die beiden Männer machten sich Sorgen, und einer nach dem anderen versuchte mir etwas gutes zu tun oder festzustellen, ob ich Fieber habe... Ich habe mir dann aber doch nicht nehmen lassen, zusammen mit meinem Mann mit dem Auslegerboot mit Bootsführer rauszufahren und Ausschau nach Delfinen zu halten, denn wer weiß, wann sich so eine Möglichkeit wieder bietet... wurde ne kurze Tour, da wir umkehren mußten. Aber wir haben welche gesehen, ganz dicht an unserem Boot kamen sie vorbei. Wunderschön! Leider konnte ich es nicht richtig genießen. Sogar das Fotografieren überließ ich meinem Mann...

Auch ein Schläfchen am Strand zwischen den Booten, Hunden und Hühnern machte die Sache nicht besser...
Auf der Rücktour ließen wir alle anderen geplanten Ziele sausen, und ich legte mich im Hotel sofort ins Bett. Mein Mann rief besorgt den uns empfohlenen Arzt, nachdem mein Fieber von 38° auf 39,9° gestiegen war. Er war noch ziemlich jung, konnte deutsch und war sehr nett... Darmentzündung (Amöben)...Spritze gegen das hohe Fieber... Tabletten... Verordnung von Diät...

Ich bekam nichts mehr mit nach der Spritze, aber am nächsten Tag gings mir schon wieder besser, aß Frühstück im Bett (Banane, Toast und Tee). Ausgerechnet heute waren wir bei unseren Freunden wieder zum Essen eingeladen. Sie bekamen einen Schreck, als sie erfuhren, was gestern Abend noch los war. Zumal sie uns vom Zimmer abholten, und der Arzt gerade noch einmal zum Kontrollbesuch kam. Er war zufrieden mit mir, und wir fuhren mit Made und Nengah nach Denpasar. Reis und ein wenig Fisch habe ich schon gegessen.

 

An einem Abend haben wir im Ort zwei süße Kleider für Ni Luh und Ni Made gekauft. Also gabs zuerst mal eine Modenschau...

 


 

 

 

Am lustigsten und auch "bewegendsten" war unsere Tour nach Ahmed, einem Küstenort im Nordosten...
Wir fuhren über Klungkung zur Gerichtshalle Kertha Gosah, weiter zur Goa Lawah (Fledermaushöhle) bis nach Padangbai.

Es war so ruhig dort, keine Touristen... außer uns. Wir setzten uns in den Sand und genossen die Ruhe und den Blick aufs Wasser. Diesen genossen wir dann weiter von einem Warung aus, denn wir hatten Hunger... und Durst. Es war einfach herrlich dort, und der Strandsand sieht aus wie lauter kleine Senfkörner. Dann ging es weiter in unserem gemieteten Suzuki Jimmy, durch wunderschöne Landschaft mit gutem Fahrer und Reiseleiter, begleitet von balinesischer Schlagermusik. Made hatte ein paar Kassetten dabei, von denen wir zwei als die besten titulierten und diese dann abwechselnd hörten. Einiges konnten wir dann schon mitsummen, manchmal fragte ich Made nach der Bedeutung einiger Wörter... sehr... hm... sentimental. Aber es war einfach spitze.

Vorbei ging es an Amlapura, und wir fanden nach kurzer Kartendiskussion von Made und ein paar Bauarbeitern dann auch die bewußte Küstenstraße nach Ahmed. Sie war relativ schmal aber gut befestigt. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer, und nach einer Weile hatten wir ein paar schöne Ausblicke auf die Küste. Wieder eine Weile später wurde die Straße plötzlich grottenschlecht. Der Asphalt war geplatzt und gerissen. Es war ein Gehopse und Geschaukel. Wahrscheinlich ist die Straße durch das viele Wasser in der Regenzeit unterspült worden. Teilweise waren es nur noch einzelne Steine... Wir schlichen schaukelt dahin und überlegten, ob wir umdrehen sollten. Keiner wußte, wann dies enden würde. Aber Made ließ sich so leicht nicht unterkriegen. Zwischendurch kamen mal sehr kurze gute Strecken. Wir atmeten auf, mußten aber sofort wieder lachen, als das Geschaukel weiterging.

Endlich hatten wir die Crossstrecke hinter uns, und die Straße wurde zusehends besser. Wir unterhielten uns noch kurz mit entgegenkommenden Touristen in einem VW-Bus und warnten sie vor dem Bevorstehenden. Als sie aber in die Richtung weiterfuhren, bedauerten wir sie noch kurz und setzten unsere Fahrt fort. Made atmete so hörbar aus, als wir nun auf guter Straße fuhren, daß wir lachen mußten und erst einmal unseren guten Fahrer lobten. Es boten sich noch sehr schöne Aussichten auf Fischerdörfer, deren Strand mit Booten nur so übersät war und auch auf den Agung.

 Unterwegs fragte uns Made mal, welche Bedeutung das Wort "ach so" habe. Uns ist bis dahin gar nicht aufgefallen, daß wir es so oft sagen. Wir erklärten es ihm, und als wir an eine gesperrte Straße kamen, Made sich das dort hängende Erklärungsschild durchlas, sagte er anschließend, ganz wie selbstverständlich: "Ach so!"
Wir waren recht spät wieder im Hotel, und er machte sich sofort auf den Heimweg, da morgen die Fahrt zum Agung ansteht. 0:30 will Made meinen Mann abholen....


Da ich Weckerverantwortlicher vom Dienst bin, war ich natürlich wach, als Made kam. Mein Mann schnappte seinen Rucksack und los ging es, nachdem Made und ich uns für 10:00 verabredeten. Ich habe dann noch schön geschlafen.

Made war ein toller Reiseleiter, und wir haben viel erzählt und gelacht. Er kümmerte sich um alles, erfragte alles, was mich irgendwie interessieren könnte, und ich fühlte mich richtig umsorgt. Nach der Besichtigung von Tirtagangga, den königlichen Badeteichen, fuhren wir zum Pasar Agung, um meinen Bergsteiger abzuholen.


Er ist total begeistert, und der Onkel von Nengah ein echt lustiger Typ, reißt einen Scherz nach dem anderen. Mein Mann erzählte, daß sie auf einem Mal Stimmen auf dem Gipfel hörten, als sie da im Dunkeln hochkletterten. Eine Gruppe balinesischer Studenten war am Vortag hochgestiegen und hatte dort die Nacht verbracht. So gab es dann erst einmal Frühstück für alle mit typisch süßem balinesischem Kaffee und Nudeln. Beim Abstieg fiel ihm erst richtig auf, wo sie da im Dunkeln hochgegangen sind...


 

 

 

Es war wohl ein unbeschreibliches Erlebnis, und die beiden Männer hatten einen Preis ausgehandelt, der bei dem Reiseführer Nyoman zu Hause in Kintamani bezahlt werden sollte. Nyoman fuhr dann auch, vorbei an wunderschönen Reisterrassen mit Halt an einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Batur und Kedisan, das Heimatdorf von Nengah und Made, in dem wir damals geschlafen hatten. Es war ein schöner Anblick, und wir schwelgten in Erinnerungen. Rechts ging der abenteuerliche Weg ab mit den fragwürdigen Kreuzungen, den wir damals mit unseren Mopeds langgeheizt sind. Made zeigt auf den Weg und fragte lachend "You remember?"


Nyoman pflückte in dem Garten hinter seinem Haus Mandarinen, eine Tüte für uns und eine für Made. Dann setzten wir uns auf ein Holzgestell, einem Bett ähnlich, tranken Tee und aßen Krupuks und besprachen das Geschäftliche. Mein Mann war einfach super zufrieden mit dem Tag und hätte es sich nicht schöner vorstellen können. Demzufolge hatte er auch keine Lust zu Handeln und gab Nyoman das vereinbarte Geld, der freudestrahlend um einen Eintrag in seinem bereits gut gefüllten Gästebuch bat.


Wir machten auch eine richtig schöne Abschiedsparty. Als Geschenk zur Geburt des Sohnes hatten wir uns überlegt, eine Party zu spendieren. Made wollte mit Nengah überlegen, was sie brauchen, wen sie einladen möchten... damit wir das Geld entsprechend einplanen können. Made machte daraus dann eine Abschiedsfeier für uns.

Wir waren ca. 17 Erwachsene und ich glaube 7 oder 8 Kinder. Es änderte sich ständig. Mades Schwester mit Familie war dort, sein bester Freund, den wir noch vom ersten Mal kannten, die Mitbewohner und viele andere... Meine Mutti hatte mir eine Menge Werbeluftballons mitgegeben, mit denen die Kinder nun spielten. Unglaublich, was die Dinger so aushalten. Sie haben sich draufgesetzt oder gelegt, waren nicht kaputt zu kriegen. Die Kinderparty war in vollem Gang...

Es gab wieder lauter leckere Sachen: Sate, Fisch, Hühnchen, Reis, Erdnusssoße, Sambal...und Bintang. Sogar einen Ketchak-Tanz bekamen wir aufgeführt. Nengahs Cousin hatte ein Musikanlage besorgt für diesen Abend, und legte VCD's ein mit balinesischen Schlagern/Karaoke und auch klassischen Tänzen. Es war sehr schön, und wir bekamen einige davon geschenkt.


Mades Schwester, ihre Tochter und Nengah

 

Diese Nacht haben wir dort sogar übernachtet. Wir hatten unsere Laken vom Hotel mitgenommen und gedachten auf der sowieso unbenutzten Wohnzimmercouch zu schlafen. Das wäre bequem und wir machen keine Umstände. Aber im Grunde genommen war mir klar, daß wir damit nicht durchkommen würden. Für uns war ein Bett reserviert, daß die Schwester non Nengahs Cousine uns überließ und selbst auf der Couch schlief. Dies erklärte uns Made und ließ keine Widerrede zu. Wir gingen dann zu Bett, da Nengah sehr müde war, aber sie wollte tun, was wir tun, und so mußten wir den Anfang machen. Sie stellten uns noch Räucherstäbchen hin gegen Mücken, und ich glaube sie waren ein wenig stolz, daß wir dort schliefen. Es war eine ziemlich kurze Nacht und sehr warm so ohne Ventilator. Vor unserer Tür waren noch drei Männerstimmen zu hören. Später dann nur noch zwei und ein Schnarchen. Dann hatten sie auch noch die glorreiche Idee, Karaoke zu üben. Es war so schlecht, daß ich leise lachen mußte... Als wir morgens wach wurden, lag eine große "Deckenrolle" vor unserer Tür auf dem Boden. Heraus kam Made. Siehe da, wir hatten einen Leibwächter diese Nacht!

Nach Waschen mit Schöpfkelle an dem Becken, balinesischem Frühstück mit Ei und süßem Kaffee und ein paar Abschiedstattoos brachen wir langsam auf. Wir mußten uns nun von Nengah und den Kindern verabschieden, da uns nur noch der heutige Tag bleibt und sie leider mit den Kindern zu Hause bleiben muß, da kein Kindermädchen hier ist. Am Vorabend haben wir von ihr noch kleine, sehr schöne Geschenke bekommen. Diese Momente machen das Abschiednehmen besonders schwer. Es dauert eine Weile, bis die Männer so in Schwung kommen, und wir Frauen können noch etwas plaudern. Made wollte mit uns zum Hotel zurückfahren und den Tag mit uns am Strand verbringen. Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von Nengah und den Kindern und winkten, bis wir uns nicht mehr sehen konnten.

Wir haben wirklich den ganzen restlichen Tag am Strand verbracht, gebadet, auf der Decke rumgelegen und erzählt. Wir haben so viel dummes Zeug geredet und gelacht. Made machte lauter Blödeleien. Es war so unbeschwert wie noch nie. Vielleicht so eine Art "Galgenhumor", denn Made war sehr traurig. Mir ging es ähnlich, aber mir fiel der Abschied jetzt nicht ganz so schwer wie beim ersten Balibesuch, weil ich wußte, daß ein Wiedersehen möglich war. Ich habe nicht mehr das Gefühl, unsere lieben Freunde das letzte Mal gesehen zu haben. Morgen gegen 10:30 werden wir abgeholt vom Hotel, und während ich noch mit gemischten Gefühlen an die letzte bevorstehende Verabschiedung von Made denke, sagt er plötzlich, daß er morgen zum Flughafen mitkommt. Dies gehört zu den Dingen, die wir am allerwenigsten von ihm erwartet hätten und freuen uns sehr darüber.


Made kommt gegen 10:00 und wir setzen uns vor die Tür, unterhalten uns etwas, aber meistens hängt jeder seinen Gedanken nach... Meine Bemühungen, tapfer zu bleiben, macht mir seine offensichtliche Traurigkeit fast zunichte...
Unser Transfer ging los, und Made wollte uns am Flughafen treffen. So traurig wie ich war, unsere Freunde zu verabschieden, muß ich aber auch zugeben, daß ich seit meiner Krankheit keinen rechten Appetit mehr hatte auf Essen mit Knoblauch....und freute mich auf eine richtige leckere Leberwurststulle.

...Wir haben eine Weile gewartet, und dann kam Made tatsächlich. Nengah wollte gerne mitkommen, konnte aber nicht wegen den Kindern. Ich fand es besser so, denn sonst wäre es noch schwerer geworden. Keiner wußte recht, was er sagen sollte. Und um dies nicht unnötig auszudehnen, machten wir noch Fotos, umarmten uns ein paar Mal, versprachen uns, sofort zu schreiben und gingen ins Gebäude.

Nachdem wir unser Gepäck aufgegeben hatten und ...Puh!...nichts nachbezahlen mußten, gingen wir noch einmal zum Fenster, obwohl wir dachten Made wäre schon weg, aber er saß noch auf der Bank und kam langsam auf uns zu. Wir erzählten ihm, daß mit unserem Gepäck alles geklappt hat und winkten ihm zum Abschied. Er sah nach unten und dann wieder hoch... und hatte Tränen in den Augen... hohe Ansteckungsgefahr... also schnell weg.

Wir flogen eine Schleife über Bali und machten viele Fotos, damit Nengah und Made ihre schöne Insel mal von oben sehen konnten... aber ich hätte gerne in einem gerade landenden Flugzeug gesessen.

Bald geht es weiter im nächsten Teil

 

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