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Unterwegs fragte mich Made plötzlich, ob ich „Pisang Goreng“ möchte. Er grinste, und ich hatte den Eindruck, er wollte testen, ob ich weiß, dass es sich dabei um gebackene Bananen handelt. Ich sagte sofort begeistert zu, und sie waren so lecker. Wir kauften gleich ein paar mehr für die Kinder. Es war schon ziemlich spät, um noch einmal zum Hotel zurück zu fahren und sich frisch zu machen. Also fuhren wir gleich zu Nengah. Vorsichtshalber hatten wir uns noch ein paar bequeme Ersatzsachen eingepackt, und so gab mir Nengah etwas ungläubig lachend ein Handtuch, und ich duschte dort. Es war etwas ungewohnt, sich mit einer Schöpfkelle abzuduschen, aber es war schön erfrischend, und danach fühlte ich mich einfach gut.

 

Ni Luh machte sich währenddessen fertig für ihren Tanzunterricht in der Legong-Tanz-Schule, die sich eine Straße weiter befindet. Andreas und ich gehen mit und trauen uns nach Ermunterung durch ältere Balinesinnen auch hinein. Wir waren uns nicht sicher, ob dies gewünscht ist, zumal sonst kein Mann zu sehen war. Es sind größere und kleine Mädchen beim Tanzunterricht. Was für ein schöner Anblick. Selbst die kleinen bewegen sich schon sehr anmutig. Kaum haben sie Andreas entdeckt, geht auch schon das Gekicher los. Dann gab es Essen bei Made zusammen mit dem Cousin und Familie, eine gemütliche Runde. Es gab Grillfisch mit Reis und scharfem Gemüse, und es war wieder einmal super und wir waren so was von satt...

 

 

 

 Plötzlich kam Made zu mir rüber und setzte sich neben mich. Er grinste und fragte mich etwas auf indonesisch. So ein Schlawiner. Meine Indonesischkenntnisse sind ziemlich dürftig, aber ich arbeite daran, und Made wollte mich doch tatsächlich testen. Ich hörte irgendetwas mit "essen" und "noch mehr" heraus. Da ich Made ein wenig kannte, riet ich einfach, daß er mir trotz meines übervollen Bauches noch mehr Essen aufschwatzen wollte. Also antwortete ich ihm auf indonesisch, daß es sehr gut geschmeckt hat, aber ich satt bin. Sein gespielt enttäuschtes Gesicht und das Gelächter in der übrigen Runde sagten mir, daß ich nicht so schlecht gelegen habe.

 

Wir saßen beim plaudern mit Nengahs Cousin und Frau, als dann einige andere bekannte Gesichter hinzukamen: Mades Schwester mit Familie, sein bester Freund und einige andere Freunde. Made, Andreas und ich hatten uns gerade so schön unterhalten, als Made mich fragt, ob ich nicht zu den Frauen gehen will, die es sich im Wohnzimmer bequem gemacht haben. Eigentlich wollte ich nicht, und ich hatte mit Made auch schon einmal ein langes Gespräch darüber. Es war sehr schwierig, eine Unterhaltung bei den Frauen zustande zu bekommen. Es fehlte der Gesprächsstoff, und die Sprachbarriere war zusätzlich hinderlich. Deshalb war ich lieber in Andreas und Mades Nähe, weil wir den ganzen Tag miteinander verbringen. Ich wollte aber nicht unhöflich sein und fragte Made, ob es denn besser wäre. Als er nickte, blieb mir nicht anderes übrig, als hinüber zu gehen. 

 

 

Ich kam mir etwas abgeschoben vor. Also setzte ich mich zu den anderen Frauen, die gerade eine dieser tollen Seifenopern sahen. Nun ja, ich musste einfach etwas lachen, als Mann und Frau sich im Fernsehen so sehr übertrieben anschmachteten und Nengah und Freundinnen stimmten mit ein. Wir spielten mit den Kindern, erzählten etwas und machten ein paar Fotos. Alle waren schon ziemlich müde, und die kleine Made lag schon schlafend vor dem Fernseher. Sie werden aber erst ins Bett gehen, wenn wir gehen. Also müssen wir den Anfang machen. Es war unser letzter Abend mit Nengah und den Kindern, da sie nicht mit zum Strand kommen kann, und wir verabschiedeten uns schweren Herzens. Dann wurden wir zu unserem Hotel gefahren.

 

Donnerstag, 18.03.2004

Heute ist unser letzter Tag, und wir wollten ihn ganz ruhig am Strand mit Made verbringen.
Da er noch nicht da war, legten wir uns auf die Liegen unseres Hotels direkt an der Promenade, von wo wir Made auf jeden Fall sehen würden. Nach kurzer Zeit kam er dann auch. Er hatte sich Angelzubehör besorgt und wollte ein wenig am Strand angeln, weil kaum Urlauber da waren. Wir hatten die letzten Tage schon ein paar Angler gesehen, und die gefangenen Fische waren ganz schön klein, vielleicht etwas größer als Sardinen.

Andreas hatte keine Lust, und Made ging allein zum Strand. Ich machte wenig später einen kurzen Strandspaziergang und ging dann zu Made, der knietief im Wasser stand. Ich wollte gerne noch einmal auf den vergangenen Abend zu sprechen kommen und verstehen, warum er so handelt. Also fragte ich ihn, wie ihm der Abend gefallen hatte und wie erwartet stellte er mir dieselbe Frage. Später erklärte er mir, dass ich nicht zu den Frauen hätte gehen müssen. Er dachte nur, es wäre besser für mich und interessanter. In dem Moment hätte ich ihn am liebsten ein wenig geknuddelt.

 

 

Einen kleinen Fisch angelte er, dann musste er neue Köder vom Strand holen. Ich ging mit, holte mir schnell eine langärmelige Bluse vom Hotel als Sonnenschutz, und als ich wieder da war, grinste Made und meinte: „Okay. Lets go fishing.“ Made fragte mich, wann wir morgen zum Flughafen müssen und ob wir mit der Agentur fahren oder mit ihm. Während ich noch überlegte, wie wir das dann am besten mit der Agentur regeln können, meinte Made bestimmt: „I drive. I drive.“ Es ist sehr schön, daß er uns diesmal zum Flughafen fahren will. Als er nach einer Weile nichts anderes als umherschwimmende Plastiktüten am Haken hatte, gab er auf und fragte mich, was ich jetzt vorhabe. Ich wollte mich ein bisschen mit ihm unterhalten. Ob ich etwas trinken möchte. Gute Idee. Er brachte seinen Rucksack weg, und wir gingen zu unserem alten Liegeplatz. Wir setzten uns unter den Baum, tranken Tehbotol und aßen Pommes aus der Tüte mit scharfer Soße. Ich wollte es denn später bezahlen, aber Made winkte nur ab.

 

 

 

 

Dann kam auch Andreas zu uns, wir erzählten noch etwas, und dann begann die Prozession zu den Nyepi  Feierlichkeiten. Diese Prozession ging am Strand entlang Richtung Seminyak. !

 

Später sollte es noch ein weitere in Legian Richtung Kuta geben. Es war ein toller Anblick. Wunderschöne Frauen in Sarongs, die Männer ebenso. Alles so schön bunt. Und diese gebastelten Kunstwerke.

 

 

Wir blödelten noch ein wenig am Strand herum mit Made und seinem Kumpel Wayan, der mir sein Kopftuch umband und meinte, ich sehe aus wie ein Junge, weil ich kurze Haare habe. Da wir am nächsten Tag erst gegen 13:00 losfahren müssen, verabreden wir uns mit Made am Strand und verabschieden uns dann. 

 

 

Wir fuhren noch einmal zum Matahari und machen die letzten Urlaubseinkäufe und gehen dann am Strand zurück. Es war romantisch: eine angenehme Brise, Dunkelheit und Wellenrauschen. Und es war ein wenig traurig, weil uns der Abschied bevorstand.

 

 

Freitag, 19.03.04

Wir packten unsere Koffer, besprachen mit Made die Abholung und ließen über die Rezeption die Agentur benachrichtigen. „Alles klar“ wie Made so gerne sagte. Andreas schenkte Made noch ein T-Shirt, dass er so toll fand und freute sich riesig. Andreas ging baden und schon schlenderte Strandverkäuferin Monica auf mich zu. Ich machte ihr klar, dass ich auf keinen Fall etwas kaufen wollte, sondern ein wenig relaxen, weil wir in ein paar Stunden heim fliegen. Ich machte die Augen zu und tat, als wäre sie nicht da. Andreas kam vom baden wieder und Monica und eine zweite Kollegin wandten sich ihm zu. Made setzte sich zu mir und frischte meine Tattoos auf. Dann blätterte er in seinem Vorlagenbuch, zeigt auf einen Schmetterling und fragte: „Where?“ Er wollte mir noch ein Tattoo machen und suchte den Schmetterling absichtlich aus. Er wusste noch ebenso wie ich, dass durch ein Schmetterlingstattoo unsere Freundschaft vor fünf Jahren begann. Dann meinte er, mein zweites Tattoo sei ein Gecko gewesen... Nun kämpfte ich doch langsam mit den Tränen. Seit dem war so viel Zeit vergangen, und er wusste es noch.Als Andreas den beiden Frauen endlich klargemacht hatte, dass unser Geld alle war und er für den kläglichen Rest eine kurze Hose bei der einen und Fußmassage mit Maniküre bei der anderen bekommen hatte, gingen sie endlich ihrer Wege.

Andreas und ich hatten am Vorabend beschlossen, Nengah und Made noch Geld für den kommenden Krankenhausaufenthalt beizusteuern. Als wir nun wieder mit Made allein waren, gaben wir ihm das Geld. Andreas erklärte ihm, dass es uns nicht möglich ist, von Deutschland Geld zu schicken. Die Briefe kommen nicht an, und die Banken wollen zu viel Geld für die Überweisungen. Daher geben wir ihm lieber jetzt noch etwas, auch wenn wir dann pleite sind. Andreas empfahl ihm mit einem Augenzwinkern, dies seinen Strandkollegen lieber nicht zu erzählen. Aber dies hatte er wohl auch nicht vor, wie es schien. Er bedankte sich gerührt und steckte das Geschenk ein.
Andreas ging wieder baden, und Made sprach mich noch einmal auf das Geld an. Er war gerührt, dass wir uns so um seine Familie kümmern. Noch nie hat jemand etwas mit ihm und seiner Familie zusammen unternommen, höchstens mit ihm allein. Er sagte noch viele rührende Dinge, die hier aufzuführen aber wohl auf ein Selbstlob hinauslaufen würde.

 Der Ausflug mit der ganzen Familie hat uns großen Spaß gemacht, und wir kommen nun einmal wegen unserer lieben Freunde nach Bali, und gemeinsame Unternehmungen, Grillabende in der Familie, lustige Scherzereien und Tobereien mit den Kindern geben uns so viel. Dieses Gefühl ein wenig dazuzugehören, wirklich Freunde zu sein über diese großen Entfernungen hinaus und gegenseitiges Vertrauen sind mehr wert als alles andere. nAndreas grinste vielsagend, als er vom baden zurück kam und uns dort gedankenversunken sitzen sah. Dann brachen wir auf zum Duschen und packen und verabredeten uns für 13:00 vor dem Hotel.

Made wartete schon, als wir kamen, und los ging es. Unterwegs war Stau, noch mehr als sonst. Es muß eine Feierlichkeit der Moslems gewesen sein, denn sie verstopften regelrecht die Straße. Irgendwann kamen wir dann aber am Flughafen an, packten die Koffer aus, und Made suchte einen Parkplatz. Er durfte nicht mit ins Flughafengebäude hinein, aber wir waren diesmal schlauer. Wir gaben unser Gepäck auf, holten uns die Tickets und gingen dann wieder raus zu ihm. Wir erzählten noch ein wenig, machten ein paar Fotos. Made meinte, Nengah und Ni Luh wollten auch mitkommen, aber es ging nicht, da kein Kindermädchen für die anderen Kinder da war. Zum Glück, denn das hätte ich nicht überstanden, mich hier auch noch von den beiden verabschieden zu müssen. Ich glaube, Made verstand dies auch, ohne dass ich es aussprach, denn er drückte mich kurz, als ich nur nicken konnte.

 

Dann war unser Baliurlaub endgültig vorbei, und wir verabschiedeten uns lange voneinander und verschwanden winkend im Flughafengebäude. Nun habe ich es endlich geschafft, auch den letzten Bericht fertig zu stellen, obwohl viel Zeit vergangen ist. Hoffe, Ihr habt ein wenig Freude daran gehabt. Vielleicht animiert es auch den einen oder anderen, selbst mal einen Reisebericht ins Forum zu stellen und uns an seinen schönen oder auch weniger schönen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Viele Grüße...

Ramona & Andreas

 

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