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Religionen

Die Religion der Ur-Balinesen war animistisch, daß heißt, die Menschen glaubten, daß alles in der Natur eine Seele hatte. Man verehrte Berge, Seen, Bäume, sogar Steine, weil sie von Göttern bewohnt werden konnten. Zu jener Zeit dominierten in Bali Polytheismus (Vielgötterglaube) und die Ahnenverehrung.

Als der Hinduismus sich in Bali ausbreitete, war es für die Balinesen einfach, ihren Götter-, Ahnen- und Dämonenglauben in die neue Religion zu integrieren. Im Hinduismus existieren viele verschiedene Gott- heiten, die aber nur Inkarnationen (Manifestationen) von menschlichen Eigenschaften eines einzigen all- gegenwärtigen Gottes sind. So verehrt man den allmächtigen Gott zum Beispiel als Dewi Sri (Göttin der Landwirtschaft und Fruchtbarkeit) in seiner Eigenschaft als derjenige, der den Reis wachsen und gedeihen läßt, während er als Dewi Danu (Göttin des Wassers) dafür sorgt, daß die Reisbauern stets genügend Wasser für die Bewässerung ihrer Reisfelder haben. Und weil nach dem Glauben des Hinduismus jeder, der den Kreislauf der Wiedergeburten verlassen hat, Teil des einzigen Gottes wird, war es für die Balinesen problemlos, ihre Ahnenverehrung zu rechtfertigen.

 

 

Deshalb mußten sich die mit ihren alten Traditionen stark verwurzelten Balinesen auch gar nicht groß umstellen und konnten weiterhin zu ihren Göttern beten. Aus der Verschmelzung des alten Glaubens der Ureinwohner Balis und des Hinduismus entstand eine neue, nur den Balinesen eigene Religion, die Agama Hindu Dharma.

Lediglich in einigen Dörfern Balis wie Trunyan am Batur-See, Tenganan in Ost-Bali und Dausa und Sambiran in der Umgebung von Kintamani lebt noch der alte Bali-Aga-Glaube weiter, weil ihre Bewohner den hinduistischen Glauben nicht annehmen wollten. Auch in einige abgelegene Bergdörfer rund um den Bratan-See konnte der Hinduismus bis heute noch nicht vordringen.

 

Agama Hindu Dharma

Das Wort Agama bedeutet übersetzt Religion oder Glaube. Unter Dharma versteht man den Antrieb zu opfern, die Gesetze des Lebens zu erfüllen, nach Frieden, Harmonie, Wahrheit, Gerechtigkeit zu trachten und ein Diener Gottes zu sein, Almosen zu geben und karikativ zu sein.

Die Ursprünge der Hindu Dharma-Religion findet man im indischen Hinduismus. Dieser wurde von indischen Händlern zwischen dem 7. und 15. Jahrhundert nach Java gebracht und breitete sich dort unter Einbeziehung von buddhistischen Komponenten langsam aus, bis er schließlich auch Bali erfaßte.

Im Jahre 900 nach Christus heiratete der balinesische König Dharma Udayana Warmadewa die ostjavanische Prinzessin Sri Gunapriya Dharmapatni, die auch als Mahendradatha bekannt ist, und die neue Religion war offiziell etabliert. Im Jahre 1365 wurde Bali dem blühenden Majapahit Königreich in Ostjava angegliedert. Als gegen 1500 der Islam die Insel Java erreichte und den Hinduismus verdrängte, flohen fast alle Angehörigen der gebildeten javanischen Gesellschaft wie Beamte, Priester, Lehrer usw. nach Bali. Hier entwickelte sich langsam aus dem javanischen Hinduismus und dem balinesischen Animismus die heutige Hindu Dharma Religion.

Im Gegensatz zum indischen Hinduismus kennt Agama Hindu Dharma nur 4 Kasten. Und während man in Indien Verstorbene sofort verbrennt, damit ihre Seelen befreit werden, werden sie Bali wegen der hohen Kosten, die eine Verbrennung mit sich bringt, oftmals erst provisorisch in der Erde bestattet und dann, wenn man genügend gespart hat, wieder ausgegraben und in einer feierlichen Zeremonie verbrannt. Es kommt oft vor, daß ein ganzes Dorf eine Massenverbrennung veranstaltet. Balinesische Witwen dürfen im Gegensatz zu den indischen Frauen auch wieder heiraten. Und in Bali gibt es keine heiligen Kühe wie in Indien. Mit Ausnahme der Brahmanen dürfen die Balinesen auch Rindfleisch essen.

Agama Hindu Dharma dominiert das gesamte Leben und die Kultur der Balinesen von ihrer Geburt an bis ihrem Tod.

 

 

Grundprinzipien der Agama Hindu Dharma - Panca Crada

Die Hindu Dharma-Religion hat fünf Glaubensprinzipien, die Panca Crada genannt werden.

1. Der Glaube an Sanghyang Widdhi Waca, den einzigen Gott.

2. Der Glaube an Atman, die von Gott verliehene unsterbliche Seele.

3. Der Glaube an Kharma-Pala, das Gesetz des Kharma.

Die Seele, die an weltliche Bedürfnisse gefesselt ist, muß sich von diesen befreien. Nur eine reine Seele kann sich wieder mit ihrem Schöpfer vereinigen. Ein Verstorbener, dessen Seele nicht rein genug ist, muß in einem anderen Körper wieder auf die Erde zurückkehren.

4. Der Glaube an Punarbhawa, die Wiedergeburt.

Es ist nicht vorhersehbar, in welcher Hülle die Seele eines Hindus wiedergeboren wird. Er kann wieder als Mensch geboren werden, ebenso aber auch als Tier, Pflanze, als ein Wesen des Himmels oder ein Dämon. Man kann durch gute oder schlechte Taten selbst beeinflussen, ob man im nächsten Leben ein besseres oder ein schlechteres Dasein führen wird. Jeder Hindu strebt danach, nicht mehr auf die Erde zurückkommen zu müssen.

5. Der Glaube an Moksha, die Wiedervereinigung mit dem "Ewigen Geist".

Ist die Seele mit dem einzigen Gott wiedervereinigt, wird auch sie göttlich, und der Verstorbene wird ein Bhatara, ein gottähnlicher Ahne. Bhataras beherrschen in erster Linie Berge, Seen usw. Nur Angehörige der Brahmanenkaste können zum Bhatara werden. Verstorbene niedrigerer Kasten werden, wenn sie ein Leben gemäß den Regeln der Religion geführt haben, in einer höheren Kaste wiedergeboren und haben dadurch die Möglichkeit, am Ende die Wiedervereinigung mit Gott zu erlangen.

Es gibt drei Wege, wieder ein Teil Gottes zu werden. Der erste Weg ist, Gott zu ehren und in Worten und Taten zu dienen. Der zweite ist der Weg der Moral und Ethik, der ein Leben ohne Sünden verlangt. Dabei muß der Mensch zehn Gebote beachten und einhalten. Der dritte und schwierigste Weg ist die Meditation.

 

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